
Inhaltsverzeichnis
Kälteempfinden ist individuell. Wenn Frieren jedoch schmerzhaft wird, und sich Finger, Zehen und sogar Nase oder Ohren blass verfärben, steckt womöglich das Raynaud-Syndrom dahinter. Diese auch als „Weißfingerphänomen“ bekannte Durchblutungsstörung ist in 90 Prozent aller Fälle harmlos. In seltenen Fällen aber kann eine schwerwiegende Erkrankung die Ursache sein. Dieser Beitrag informiert über das Raynaud-Syndrom, die zugrunde liegenden Ursachen, die Behandlung, sowie Präventionsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
Raynaud-Syndrom – Definition
Mit einer geographisch variierenden Prävalenz von drei bis 16 Prozent ist das Raynaud-Syndrom in Österreich ein relativ häufiges Krankheitsbild. Dabei kommt es anfallsartig zu einer Verengung der arteriellen Blutgefäße, was eine schmerzhafte Durchblutungsstörung der betroffenen Körperteile (meist der Akren) zur Folge hat. Dabei kann die Dauer eines Anfalls wenige Minuten bis hin zu mehreren Stunden betragen. Auch die Häufigkeit der Attacken variiert stark: Von ein bis zwei Anfällen pro Jahr bis hin zu mehreren Anfällen täglich. Zwischen den einzelnen Attacken sind die Erkrankten oft beschwerdefrei; manche schwitzen jedoch verstärkt an den betroffenen Extremitäten.
Fachleute unterscheiden das primäre Raynaud-Syndrom vom sekundären Raynaud-Syndrom. Am primären Raynaud-Syndrom erkranken vor allem Frauen zwischen 20 und 40 Jahren, die Ursachen sind weithin ungeklärt. Das sekundäre Raynaud-Syndrom betrifft Männer und Frauen gleichermaßen, und tritt meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Diese Form ist Ausdruck einer Grunderkrankung, die meist dem Formenkreis der Kollagenosen zuzurechnen ist. Aber auch Autoimmunerkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Tumore oder eine periphere arterielle Verschlusskrankheit der oberen Extremitäten (PAVK) können dahinter stecken.
Raynaud-Syndrom – Symptome
Das primäre Raynaud-Syndrom manifestiert sich klassischerweise symmetrisch an beiden Händen (bzw. Füßen) unter Aussparung der Daumen. Eine Attacke beginnt normalerweise in einem einzelnen Finger und breitet sich dann auf andere Finger in beiden Händen aus. Dabei treten anfangs fast immer ein Taubheitsgefühl und nachfolgend häufig stechende oder prickelnde Schmerzen auf. Anschließend beobachtet man oft das sogenannte Tricolore-Phänomen: Die Hautoberfläche fühlt sich kalt an und hat eine blassweiße Farbe, weil sich die versorgenden Blutgefäße verkrampfen. In der Folge verfärben sich die Finger aufgrund der mangelnden Durchblutung bläulich. Wenn der Blutfluss zurückkehrt weil sich der Gefäßspasmus löst werden die Finger wieder warm und röten sich stark. Diese Phase kann besonders schmerzhaft sein.
Beim sekundären Raynaud-Syndrom hingegen ist der Befall von Händen oder Vorfüßen oft asymmetrisch; oft liegen Störungen des Nagelwachstums vor. Zudem kann die Durchblutungsstörung auch nach der Attacke bestehen bleiben, weil Schädigungen der Blutgefäße zugrunde liegen können, die den Blutfluss behindern. In schweren Fällen kann es zu tieferen Gewebeschäden und starken Schmerzen im Rahmen einer chronischen Ischämie kommen. Meist ist dies der Fall wenn eine Grunderkrankung vorliegt, vor allem bei Sklerodermie.
Stellenangebote
Raynaud-Syndrom – Physische und psychische Ursachen
Die Ursachen des primären Raynaud-Syndroms sind nicht genau bekannt. Die häufigsten Auslöser scheinen Temperaturwechsel (von Wärme zu Kälte) und Stress zu sein. Außerdem könnten weibliche Geschlechtshormone bei der Entwicklung des Raynaud-Syndroms eine Rolle spielen. Eine gewisse genetische Komponente gilt zudem als sicher, denn häufig sind mehrere blutsverwandte Familienmitglieder betroffen.
Zur Entstehung eines sekundären Raynaud-Syndroms führen Gefäßveränderungen, die aufgrund einer anderen Erkrankung auftreten. Dazu zählen beispielsweise:
- Bindegewebserkrankungen wie Sklerodermie, Lupus erythematodes und Dermatomyositis
- Gefäßentzündungen
- Chronische Erschütterungen (zum Beispiel durch Presslufthammer)
- Karpaltunnelsyndrom
- Dickflüssiges Blut (zum Beispiel durch erhöhte Anzahl an Blutplättchen)
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)
Auch verschiedene Arzneimittel und Drogen können Raynaud-Anfälle begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Betablocker, Zytostatika, Ergotamine und Nikotin.
Psychische Ursachen beim Raynaud-Syndrom
Auch die Psyche kann das Raynaud-Syndrom auslösen. Studien haben gezeigt, dass bei Betroffenen auch psychischer Stress - sei er positiv oder negativ - der Auslöser für das Weißfinger-Phänomen sein kann. Kälte ist also nicht immer zwingend die zugrundeliegende Ursache, die zu den Raynaud-Symptomen führt.
Diagnosestellung
Deuten die Symptome auf ein Raynaud-Syndrom hin, muss zunächst geklärt werden, ob eine weitere Erkrankung dahintersteckt oder ob es sich um ein primäres Raynaud-Syndrom handelt. Um hier Gewissheit zu erhalten, gibt es – neben der Anamnese und der körperlichen Inspektion – zwei effektive Untersuchungsmethoden. Einerseits werden mittels Kapillarmikroskopie die Kapillaren des Nagelfalzes untersucht, um Hinweise auf eine Kollagenose als Ursache eines sekundären Raynaud-Syndroms zu erhalten. Andererseits überprüft eine Blutuntersuchung, ob zum Beispiel Autoantikörper den eigenen Organismus angreifen, denn bis zu 90 Prozent aller Patienten mit einer Autoimmunerkrankung haben ein sekundäres Raynaud-Syndrom als erstes Symptom.
Raynaud-Syndrom – Behandlung
Die Behandlung des Raynaud-Syndroms zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu verringern, sowie Gewebeschädigungen zu verhindern. Daher besteht die Therapie in erster Linie in der Vermeidung der auslösenden Ursache und einem größtmöglichen Schutz vor Kälte. Geeignete Hilfsmittel dabei sind warme, nicht einengende Handschuhe, Muffs, Taschenöfen und kleine Wärmekissen für Handschuhe und Schuhe. Sehr wirksam sind auch warme Handbäder in Rapssamen, erwärmte Kirschkernkissen, das Kneten warmen Paraffins im Rahmen der krankengymnastischen Betreuung und autogenes Training bzw. andere Entspannungstechniken. Wichtig ist auch regelmäßiges Gefäßtraining durch Massieren der Finger, Sport und eine gute Hautpflege. Nikotin sollte gemieden werden, auch Stress gilt als äußerst schädlich.
Bei einem sekundären Raynaud-Syndrom steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Meist lässt sich aber auch eine medikamentöse Behandlung der Raynaud-Symptomatik nicht vermeiden. Zu den verfügbaren Präparaten gehören in erster Linie Kalziumantagonisten (beispielsweise Verapamil oder Nifedipin), auch das lokale Aufsprühen von Glyceroltrinitrat zur Erweiterung der Gefäße kann Beschwerden lindern. Alternativ kommen ACE-Hemmer und Prostaglandin-Analoga zum Einsatz.
Wann ist ein Krankenhausaufenthalt notwendig?
In sehr schweren Fällen von Raynaud-Syndrom mit starken Schmerzen oder Gewebeschäden kann auch ein Krankenhausaufenthalt nötig werden. Verengen sich große Blutgefäße, kommt eine Operation oder eine Weitung der Gefäße per Katheter in Frage, sowie eine Durchtrennung der sympathischen Nervenfasern, die für die Gefäßkrämpfe mitverantwortlich sind. Diese Methode hilft jedoch meist nur für wenige Monate oder Jahre. Ist die Raynaud-Symptomatik so stark ausgeprägt, dass der Verlust von Gliedmaßen droht, stehen auch Infusionen, etwa mit Iloprost, zur Verfügung, die die Durchblutung erhöhen und die Bildung von Nekrosen verhindern können.
Stellenangebote
Raynaud-Syndrom – Prognose und Komplikationen
Das primäre Raynaud-Syndrom hat generell eine gute Prognose, die Krankheit kann sich auch spontan verbessern. Beim sekundären Raynaud-Syndrom kommt es hingegen zu keiner Spontanverbesserung und die Prognose hängt von der zugrundeliegenden Erkrankung ab. Es besteht zudem ein hohes Risiko, dass es zu schweren Gewebeschädigungen bis hin zum Absterben von Körperteilen kommt. Eine Aussicht auf Heilung besteht derzeit nicht.
Raynaud-Syndrom – Prävention
Folgende Maßnahmen können Raynaud-Attacken vorbeugen:
- Vermeidung kalter Temperaturen (zum Beispiel Kühlregale oder eiskalte Getränke in der Hand)
- Stressreduktion
- Vermeidung von Nikotin und gefäßverengenden Medikamenten
- Schutz vor Vibrationen, beispielsweise durch das Bedienen bestimmter Maschinen
- Sportliche Aktivität verbessert die Durchblutung
- Gesunde Ernährung: Vitamin C, E und Folsäure schützen die Gefäße
Passende Jobs
Passende Jobs im Gesundheitswesen findet man bei Medi-Karriere. Hier gibt es Jobs als DGKP, Jobs als Ordinationsassistenz und Stellenangebote für Fachärzte.
- Raynaud-Syndrom, https://www.gesundheit.gv.at/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Raynaud-Syndrom, https://www.msdmanuals.com/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Weiße Finger: Das Raynaud-Syndrom – Ursachen, Diagnose, Therapie, https://www.rheuma-liga.de/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Raynaud Syndrom – wie die Psyche Anfälle beeinflusst, https://www.t-online.de/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Raynaud-Syndrom, https://flexikon.doccheck.com/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Weiße Finger infolge einer Durchblutungsstörung können eine Systemerkrankung anzeigen, https://www.meduniwien.ac.at/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Morbus Raynaud, https://www.rheumanetz.at/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Raynaud-Syndrom: Altbekanntes und Neues zur Therapie, https://www.medmedia.at/... (Abrufdatum: 20.01.2025)
- Raynaud-Syndrom, https://www.gefaesserkrankung.at/... (Abrufdatum: 20.01.2025)