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Asthma ist die mit Abstand häufigste chronisch-entzündliche Erkrankung des Menschen überhaupt. Laut der größten Bevölkerungsstudie Österreichs, der LEAD-Study, leiden 4,6 Prozent der Bevölkerung an Asthma. Das sind rund 500.000 Menschen. Dabei sind alle Altersgruppen betroffen, am häufigsten jedoch Frauen zwischen 30 und 60 Jahren. Bei Kindern ist die Krankheit die häufigste chronische Erkrankung. Der folgende Beitrag klärt über alle relevanten Fragen rund um die Asthma-Erkrankung auf.
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Asthma – Definition und Pathologie
Asthma ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege, die mit einer reversiblen bronchialen Obstruktion und einer erhöhten Empfindlichkeit („Hyperreagibilität“) des Bronchialsystems einhergeht. Vereinfacht ausgedrückt setzt bei Menschen mit Asthma der Kontakt zu bestimmten Reizstoffen oder Reizen mit den Bronchialschleimhäuten eine übersteigerte Abwehrreaktion in Gang, die Atembeschwerden auslösen kann. In der Lunge passiert dabei Folgendes:
- Zellen des Immunsystems in der Bronchialschleimhaut werden aktiviert
- Die Muskulatur um die Atemwege verkrampft sich
- Die Schleimhäute der Atemwege entzünden sich und schwellen an
- Es bildet sich besonders zäher Schleim
Durch die Verkrampfung der Muskulatur, die Schleimhautschwellung und die Schleimbildung verengen sich die Atemwege schließlich mehr und mehr. Bei länger bestehendem Asthma kann es unter Umständen zu einer dauerhaften bronchialen Obstruktion kommen.
Asthma – Symptome
Asthma ist eine episodische Erkrankung, bei der Symptome meistens schubweise, variabel und ohne Vorwarnung eintreten. In der Tat können Husten und persistierende Belastungsdyspnoe die einzigen Symptome sein.
Was ist ein Asthma-Anfall?
Der „Asthma-Anfall“ ist gekennzeichnet durch eine plötzlich auftretende Atemnot mit dem typischen expiratorischen Giemen („Pfeifen“). Häufig beginnt der Anfall mit einem Hustenreiz und die Patienten verspüren ein Engegefühl in der Brust. Um die Beschwerden zu lindern nehmen viele Betroffene eine sitzende Position ein, in der sie die Arme aufgestützt halten, um die Atemhilfsmuskulatur besser einsetzen zu können („Orthopnoe“). Meist sind sie ängstlich und tachykard („Herzrasen“), die Ausatmung ist verlängert.
Bei einem schweren Asthmaanfall müssen Patienten bereits nach jedem gesprochenen Wort atmen („Ruhedyspnoe“), sie sind unruhig bis panisch und haben einen stark beschleunigten Herzschlag. Bei sehr schwerer Obstruktion kann man auch ein abgeschwächtes Atemgeräusch wahrnehmen („silent chest“); In diesem Fall droht ein lebensgefährlicher Atemstillstand. Spätestens bei zunehmender Erschöpfung, verlangsamtem Herzschlag („Bradykardie“) und Eintrübung, die auf eine Sauerstoffminderversorgung zurückzuführen ist, muss assistiert beatmet werden. Besteht die Symptomatik trotz therapeutischer Maßnahmen länger als 24 Stunden, spricht man von einem „Status asthmaticus“. Dieser stellt einen akuten Notfall dar: Fast alle Asthmatiker, die an ihrer Erkrankung versterben, ersticken im Status.
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Asthma – Ursachen
Man unterscheidet bei den Ursachen das exogen-allergische Asthma vom nicht-allergischen Asthma. Allerdings sind Mischformen häufig und mit steigendem Alter kann es zu einem Übergang von allergischem zu nicht-allergischem Asthma kommen.
Beim exogen-allergischen Asthma (vor allem bei Kindern und Jugendlichen) liegt eine IgE-vermittelte allergische Sofortreaktion mit nachfolgender zellulär vermittelter Spätreaktion vor. Allergene sind beispielsweise Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilze, Blütenpollen und berufsbedingte Noxen (wie Mehlstaub). Patienten mit exogen-allergischem Asthma reagieren jedoch auch häufig auf nicht-allergische Reize (wie Anstrengung, Lachen, Weinen, Zigarettenrauch, Kaltluft, Parfüm). Diese Form der Erkrankung hat eine starke genetische Komponente und tritt gehäuft zusammen mit anderen Erkrankungen, wie zum Beispiel Heuschnupfen oder atopischem Ekzem auf.
Das nicht-allergische Asthma kann von vielen Faktoren ausgelöst werden. Hierzu zählen Virusinfekte der oberen und unteren Atemwege, körperliche Anstrengung, kalte Luft, Stress, Emotionen und Inhalationsnoxen, wie Zigarettenrauch, Ozon, Nitrosegase, Schwefeldioxid, aber auch Parfüme und Metallsalze. Sonderformen der Krankheit sind das medikamenteninduzierte Asthma (Stichwort: ASS), das Wurmasthma (beispielsweise bei Befall mit Ascaris oder Echinokokken) und das durch eine Refluxkrankheit oder eine Sinusitis ausgelöste Asthma.
Asthma bei Kindern und Jugendlichen
Asthma ist bei Kindern und Jugendlichen die häufigste chronische Erkrankung: etwa 4 von 100 Kindern in Österreich sind betroffen. Bei den meisten Kindern treten die ersten Beschwerden bereits vor dem fünften Lebensjahr auf und werden durch eine oft genetisch bedingte Allergie ausgelöst. Bei kleinen Kindern kann sich die Allergie in Form von Neurodermitis oder Heuschnupfen äußern, oder bei einem Infekt oder bei körperlicher Anstrengung auftreten. Bei mehr als der Hälfte der Kinder und Jugendlichen mit Asthma werden die Beschwerden schwächer oder verschwinden, wenn sie erwachsen werden.
Asthma – Diagnosestellung
Sofern es sich nicht um einen akuten Anfall handelt, stützt sich die Diagnosestellung des Asthmas auf drei Pfeiler: den anfallsartigen Charakter der Erkrankung, dem Nachweis einer – zumindest teilweisen – Reversibilität der Atemwegsobstruktion, sowie dem Ausschluss alternativer Diagnosen.
Zunächst wird eine sorgfältige Anamnese erhoben. Dabei sollten die Symptome und ihre zeitlichen Charakteristika, mögliche Auslöser, eventuell bereits erfolgte Vorbehandlungen, die derzeitige Therapie und eventuelle Begleiterkrankungen geklärt werden. Bei einer Lungenfunktionsuntersuchung wird anschließend der Nachweis einer manifesten Obstruktion erbracht. Mithilfe des Bronchospasmolysetests muss festgestellt werden, dass diese zumindest teilweise reversibel ist (ansonsten handelt es sich nicht um Asthma, sondern um eine COPD). Schließlich können im Labor noch das Gesamt-IgE sowie die für die verdächtigen Allergene spezifischen IgE-Fraktionen bestimmt werden. Auch eine Allergietestung (zum Beispiel mittels Prick-Test) ist sinnvoll.
Handelt es sich um einen Asthmaanfall, ist dies meist eine Blickdiagnose: Schon die typische Haltung und das expiratorische Pfeifen lenken den Verdacht auf eine akute Exazerbation. Wichtig ist die Einschätzung des Schweregrades, sowie die nach Behandlung der akuten Phase einsetzende Abklärung der Ursachen.
Begleiterkrankungen
Bei Patienten mit Asthma bronchiale kommt eine Reihe von Begleiterkrankungen häufiger vor als in der übrigen Bevölkerung. Dazu zählen beispielsweise Rhinitis und Rhinosinusitis, Adipositas, Schlafstörungen, Gastrooesophageale Refluxkrankheit (GERD), COPD, sowie psychische Erkrankungen. Patienten mit Komorbiditäten erleiden mehr Exazerbationen, haben insgesamt eine schlechtere Asthmakontrolle und Lebensqualität und ein erhöhtes Mortalitätsrisiko.
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Asthma – Behandlung
Nicht adäquat behandeltes Asthma stellt eine schwere Behinderung für den Patienten dar und kann zur „strukturellen Fixierung“ der ursprünglich reversiblen Atemwegsproblematik führen. Daher sollte immer eine Therapie erfolgen. In der medikamentösen Behandlung des Asthmas werden zwei Hauptgruppen von Medikamenten eingesetzt.
Controller sind Medikamente, die ihre Wirkung langsam entfalten und vorbeugend wirken. Diese Dauermedikamente unterdrücken die ständige Entzündungsbereitschaft der Atemwege und wirken damit langfristig gegen das Hauptproblem der Erkrankung. Ihr Hauptwirkstoff ist das Kortison.
Reliever („Erleichterer“) hingegen lindern akute Asthmabeschwerden. Ihre Wirkung tritt schnell ein, und hält je nach Wirkstoff unterschiedlich lange an. Es sind vor allem Medikamente wie das Salbutamol, die die Bronchien erweitern und eine Entspannung der verkrampften Atemwegsmuskulatur bewirken. Reliever werden also, im Gegensatz zu den Controllern, nur bei Bedarf eingesetzt.
Asthma – Prognose
Der natürliche Verlauf des Asthmas ist noch unzureichend untersucht. Bekannt ist, dass kindliches Asthma zu 50 Prozent ausheilt. Bei Erwachsenen werden in 20 Prozent der Fälle Spontanremissionen und in 40 Prozent der Fälle Verbesserungen mit zunehmendem Alter beobachtet. Die Prognose ist grundsätzlich gut: bei konsequenter Therapie kann selbst nach jahrelang bestehender endobronchialer Entzündung eine normale Lungenfunktion erreicht werden.
Asthma – Prävention
Um Asthmaanfällen vorzubeugen, ist eine gute medikamentöse Einstellung unverzichtbar. Daneben kann man versuchen, Asthma-Auslöser zu vermeiden, wenn bekannt ist, welche Stoffe besonders problematisch sind. Hier spielt vor allem der Konsum von Nikotin (sowohl aktiv als auch passiv) eine Rolle; daher ist Asthmatikern Nikotinkarenz unbedingt zu empfehlen. Bewegung und Sport sind ebenfalls für die meisten Menschen mit Asthma wichtig, denn regelmäßige körperliche Aktivität trägt zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge bei.
Passende Jobs
Passende Jobs als Arzt findet man bei Medi-Karriere. Hier gibt es Jobs als Facharzt, Jobs als Assistenzarzt und weitere Stellenangebote für Ärzte.
- H. Renz-Polster, S. Krautzig u. J. Braun. 2006. Basislehrbuch Innere Medizin. Urban & Fischer, pp. 448 ff
- Welche Komorbiditäten besonders schwer wiegen, https://www.medical-tribune.de/... (zuletzt abgerufen am 11.03.2024)
- Asthma, https://www.rki.de/... (zuletzt abgerufen am 11.03.2024)
- Welt-Asthma-Tag, https://gesundheitsverbund.at/... (zuletzt abgerufen am 11.03.2024)
- Asthma bei Kindern und Jugendlichen, https://www.gesundheit.gv.at/... (zuletzt abgerufen am 11.03.2024)
- Merkblatt Asthma, https://www.g-ba.de/... (zuletzt abgerufen am 11.03.2024)